Von scheinschwangeren Golfern und schwarzen Löchern

Eine Schülerin schrieb mir: „ (…) Ich lebe in der Nähe eines Golfclubs und sehe deshalb viele Golfer. Warum haben so viele Golfspieler einen dicken Bauch? Macht Golf übergewichtig? Ach, ja und noch eine Frage: Was sind schwarze Löcher?“
Nun, der Golfsport ist, wie der Name schon sagt, eigentlich ein Sport. Solange man noch laufen und dabei die Arme schwingen kann, was vielen Menschen bis ins hohe Alter möglich ist, kann man dem Golfsport nachgehen. Warum Golfer einen dicken Bauch haben, lässt sich auf den ersten Blick recht einfach beantworten: Während jedes sechste Kind in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze lebt und jedes dritte Kind dicht dran ist, haben viele GolferInnen die Möglichkeit, nach Herzenslust zu fressen und zu saufen, weil sie genug Geld haben. Wobei man natürlich sagen muss, dass sie, wenn Leberschmerzen und das Gewissen zwicken, auch für die Armen spenden. Nicht so viel wie Bill Gates und Jack Nicklaus, aber immerhin. Dazu macht man ein „Charity Turnier“ bei dem 18 Loch gespielt werden. Danach gibt es eine Tombola, wo tolle Reisen zu gewinnen sind und irgendwelche Dinge versteigert werden. So bekommen Stiftungen Geld, das oft von denen verbraucht wird, die für die Stiftungen arbeiten und man kann alles schön von der Steuer absetzen. So hat fast jeder was davon. Wenn Golfer ganz viele Charity Events spielen, bei denen es immer ganz leckeres Essen gibt, bekommen sie irgendwann einen dicken Bauch. So könnte man das erklären. Es gibt aber auch noch eine andere Erklärung: Golfer, die einen dicken Bauch haben, sind scheinschwanger! Dahinter steckt das “Couvade-Syndrom”. Das männliche Schwangerschaftssyndrom, von Psychiatern als “Couvade-Syndrom” (couvade, franz. brüten) bezeichnet, war lange Zeit nur beim Menschen beobachtet worden. Letztes Jahr entdeckten Toni E. Ziegler und Mitarbeiter des Wisconsin National Primate Center und Department of Psychology der Universität Wisconsin-Madison, USA; dass auch Krallenaffenmännchen, die Väter wurden, mehr Gewicht zulegten. Ergebnisse veröffentlichte das Journal “Biology Letters” der Royal Society. Vielleicht magst Du Dir den Text dazu mal durchlesen.
Was Golfer so ausbrüten und weshalb sie scheinschwanger werden, steht da jedoch nicht drin, weil das wissenschaftlich noch nicht abgeklärt ist. Ich brüte auch viel vor mich hin und habe deshalb auch einen Bauch. Da ich zudem oft Heißhunger habe, launisch bin, gerne Heringssalat mit Nutella esse und angefangen habe, mit alten Socken und Handtüchern ein Nest auszupolstern, bin ich ziemlich sicher, dass ich auch schwanger bin. Jetzt zu den schwarzen Löchern. Schwarze Löcher, bekannt durch die allgemeine Relativitätstheorie Albert Einsteins, wurden in ihrer möglichen Existenz auch schon von Laplace um 1800 diskutiert, was Du vermutlich längst weißt. Am Rande eines schwarzen Loches wird die Schwerkraft so stark, dass selbst Licht nicht mehr entweichen kann. Eine gute Zusammenfassung zum Thema bietet die Uni München. Schwarze Löcher sind also die schwärzesten Körper, die wir kennen, noch schwärzer als die Seele eines Politikers, der sich an Monsanto verkauft hat. Apropos: Als schwarze Löcher bezeichnet man auch die Erinnerungslücken von Politikern.
Im Golfsport unterscheiden wir die Löcher auf den Grüns (eins davon auf jeder Bahn) und die schwarzen Löcher, die es aber nur beim DGV gibt. Damit meine ich jetzt nicht die nie geklärte Frage, wohin die ganzen VcG Gelder verschwunden sind, das ist ja angeblich alles überprüft. Nein, es sind mehr die Erinnerungen, die einen überkommen bzw. die nicht kommen, wenn man in dem wunderschönen Buch „100 Jahre Golf“ liest. Da steht wirklich alles drin oder zumindest fast alles, nur nicht, warum Golfer scheinschwanger werden. Und es steht auch nichts von alternativen Golfplatzkonzepten drin, wie dem Golfplatz Schotten, der als das erstes positives Beispiel für Umweltschutz im Golfplatzbau gilt und dem der WWF vor etlichen Jahren die naturschutzgerechte Gestaltung eines Golfplatzes bescheinigte, wie sie Professor Haber (Seite 125 im 100 Jahr Golf) im Jahrbuch für Naturschutz und Landschaftspflege 1986 forderte. Die Vorgaben der von Herbert Schlapp gebauten Anlage in Schotten (9 Loch, 150 Mitglieder, Gemeinnützigkeit) flossen später zum Teil in die Genehmigungsvorgaben für Golfanlagen in Deutschland ein. Der erste öffentliche „Öko“- Golfplatz in Deutschland wurde lange Zeit nicht in den DVG aufgenommen und ist heute im schwarzen Loch der Nichterinnerung verschwunden. Ich habe den Platz damals oft gespielt, weil er für mich das originäre Golfspiel verkörperte, wie ich es sonst nur in den schottischen Highlands fand. Originär heißt so etwas wie „ursprünglich“ und ist nicht mit ordinär zu verwechseln, womit wir wieder bei der aktuellen Politik wären.
Es grüßt Dich
Eugen Pletsch