Eugen gegen Gene

Ob ich meine „Golfnotizen“ eingestellt hätte, fragt Julia K. aus F. Nein, liebe Julia, ich hatte sehr wohl etwas geschrieben und wollte den Text auf blogger.com veröffentlichen, worauf ich folgende Mitteilung erhielt: Ihr Blog ist gesperrtMithilfe der Blogger-Roboterprogramme zur Spamvermeidung wurde festgestellt, dass Ihr Blog Merkmale eines Spam-Blogs besitzt. (Was ist ein Spam-Blog?) Da Sie diese Informationen als reelle Person lesen, ist Ihr Blog wahrscheinlich kein Spam-Blog. Die automatisierte Spam-Erkennung ist von ihrem Prinzip her ungenau, und wir entschuldigen uns aufrichtig für diese fehlerhafte Meldung Ihres Blogs als Spam-Blog.“
Schlechter Witz, dachte ich. Typisch Amis: Erst alles platt machen, dann fragen, was es ist. Dann wurde mir die Bedeutung des Momentes bewusst: Ein Mensch entschuldigt sich(vorsorglich) für etwas, was ein Roboter entschieden hat! Es wurde mir empfohlen, einen Button zu drücken, um meinen Fall sozusagen „vor den Ausschuss zu bringen“. Ich erhielt folgende Meldung: „Wir haben Ihre Anfrage zum Entsperren am 14. März 2007 erhalten. Im Namen der Robots entschuldigen wir uns, dass Ihr Non-Spam-Blog gesperrt wurde. Haben Sie etwas Geduld, wir prüfen Ihren Blog und stellen sicher, dass es sich nicht um Spam handelt.“
Es dauerte Tage und dann wurde mir ein Bescheid gegeben, dass mein Blog wieder frei wäre. Mir wurde dadurch bewusst, dass meine Kommunikationsmöglichkeit vom Wohlgefallen irgendwelcher US-Roboter abhängt. Wir werden deshalb mit dem Cybergolf-Relaunch auch die „Golfnotizen“ auf unserem eigenen Server unterbringen.
Der nächste Schock war der Film Leben außer Kontrolle, der gestern im bayrischen Rundfunk lief. Der Film mit dem Untertitel „Von Genfood und Designerbabies“ beschreibt u. A. die unwiderruflichen Konsequenzen, die genverändertes Saatgut mit sich bringen wird: ALLES wird kontaminiert werden, die Pflanzen und Tiere und über die Nahrungskette letztendlich der Mensch. Sogar das BIER, liebe Golfer, wird nach Müllermilch schmecken!
Monsanto, einer der größten Brunnenvergifter der Welt, hat laut einer Greenpeace-Meldung in der eigenen Kantine in London auf genfreies Essen umgestellt, während es in manchen Ländern der Erde praktisch kein genetisch unverändertes Getreide mehr gibt. Jetzt wird vermutet, dass Monsanto auch hierzulande, wo kaum ein Verbraucher genveränderte Produkte wünscht, mit Hilfe korrupter Politiker und Wissenschaftler dafür sorgen wird, dass sich die Kontaminierung durch genverändertes Saatgut nicht mehr aufhalten lässt.
Direkt vor meiner Haustür möchte die Uni Gießen im Auftrag des Bundessortenamtes, aber letztendlich für Monsanto ein Versuchsfeld mit Gen-Mais anlegen. Der Hersteller des Killersüßstoffes Aspartam wird als die meistgehasste Company der Welt bezeichnet. (Monsanto mal mit „Mafia“ mal mit „Terror“ gegoogelt führt zu interessanten Meldungen.)
Auf den ersten Blick mag man sich fragen, warum sich unsere Uni Gießen um alles in der Welt mit dieser international berüchtigten Räuberbande abgibt, anstatt wie Nobelpreisträgerin Dr.Vandana Shiva vielfältiges Saatgut zu sammeln und zu bewahren, um unsere Landwirtschaft vor Gen-Piraten zu schützen. Das Problem ist, dass die Gen-Mafia im Mäntelchen der Wissenschaft angetappst kommt und etwas von Fortschritt faselt. Mancher Professor Saruman mit Elfenbeintunnelblick verfällt den Verlockungen von MORDOR. Egal, ob er nur etwas klamm ist, tatsächlich glaubt was er redet, oder seinem Lehrstuhl ein neues Profil geben will – letztendlich verdreckt Monsanto einen weiteren Acker und niemand weiß, was tatsächlich passieren wird. Ich bin mal gespannt, welche Versicherung die Uni Gießen hat.
Gießen? Genau! Der geschätzte Leser sollte wissen, dass ich mitten im Bibelgürtel der Republik sitze, in jener trostlosen Ecke des irdischen Jammertals, wo im Biologieunterricht noch die „christliche Schöpfungslehre“ gelehrt wird. Vermutlich ist das der Grund, warum Monsanto sich hier ausbreiten will. Monsanto liebt akademische Hinterwälder und Politiker, die alles, was sie in ihren Konsequenzen nicht verstehen, für Fortschritt halten. Justus Liebig, der „Vater des Kunstdüngers“, hatte in Gießen einst seine Hexenküche und er wird auf unseren geistigen Sumpfwiesen immer noch als Heiliger verehrt, während der Rest der Welt weiß, was er uns im Namen des Fortschritts an ausgelaugten Böden und minderwertiger Nahrung eingebrockt hat. Vielleicht sollte die Giessener Universität anlässlich ihrer 400 Jahr Feier etwas mehr Verantwortung an den Tag legen, anstatt für Monsanto Fakten zu schaffen.
Im Irak kamen erst die Soldaten und dann Monsanto, worauf 10000 Jahre alte Weizensorten verschwanden und durch Hybrid-Sorten ersetzt wurden, die von den Bauern nicht mehr vermehrt werden können, sondern nachgekauft werden müssen, natürlich mit den dazu gehörigen Pestiziden. Mittlerweile müssen wir uns hierzulande aus Angst vor Terror-Anschlägen unserer Grundrechte berauben lassen – nur weil Gen-Terroristen den Menschen in aller Welt ihr täglich Brot stehlen und versuchen, ihnen patentiertes, genverändertes Saatgut unterzujubeln. Ich übertreibe? Dann klicken Sie mal die Links durch, die ich Ihnen herausgesucht habe: Große Teile der Welt-Landwirtschaftsproduktion sind bereits in den Klauen von Killerheuschrecken und am Rest arbeiten sie. Wie weit die kriminelle Energie multinationaler Gen-Technokraten mittlerweile geht, wird im Interview mit Landwirt Percy Schmeiser (Kanada) beim Umweltinstitut München e.V. (UIM) deutlich.
Landwirtschaftsminister Seehofer, der die heutigen Desaster im Gesundheitswesen mit zu verantworten hat, ist gerade dabei, die Gesetze so zu verändern, dass wir sehr bald mit katastrophalen und irreparablen Folgen rechnen müssen. In der Financial Times Deutschland gibt es eine Diskussion über die Frage: Würden Sie gentechnisch veränderte Lebensmittel essen? Eine gute Zusammenfassungaus der Sicht der Bauern und Betroffenen finden Sie in dem Bericht über eine regionale Versammlung im Vogelsberg, bei der über die “Dunkle Seite der Gen-Manipulation“ referiert wurde, Strategien für ein Überleben ohne Monsanto bietet Attac.

Für uns Golfer ist die Situation durchaus etwas schizoid und erinnert an die Gattinnen (und Freundinnen) bekannter Volkszertreter, die nur im Bioladen einkaufen, während ihre Männer die Gen-Gesetze verwässern. Der Golfer mit seinem Drang zu immer größeren Statussymbolen ist nur in Sachen Handicap bereit, small als beautyful zu akzeptieren. Einerseits liebt der Golfer die schöne Natur, das reine Bier, das klare Wässerchen und die saubere Hure, andererseits ist er nun mal häufig in Firmen, Ausschüssen, Verbänden, Fonds und Anlagen engagiert, die leider, leider, leider, ich sage es nicht gern, mit nichts anderem als der Zerstörung globaler Ressourcen befasst sind. Was schert uns der Regenwald, solange die Rendite stimmt, könnte man sagen. Aber ein Golfer (der Redaktion bekannt) begriff kürzlich mit Schrecken, dass die Umweltfrage mittelfristig Auswirkungen auf seinen Sonntagsvierer mit Auswahldrive haben könnte. Irgendwann wird ein zweiter Golfer verstehen, worum es geht und dann wären wir schon drei.
Drei Öko-Golfer - das wäre in Hessen, wo laut über Folter nachgedacht wird, eine Zusammenrottung, also sehen Sie sich vor!

Ihr/Euer

Eugen Pletsch

P.S.: Falls Sie sich auf der Suche nach neuen Golfschlägern auf diese Seite verirrt haben und über ein beträchtliches Vermögen verfügen, dann sollten Sie jetzt vollkommen irrational und unüberlegt handeln und eine riesige Summe dahin überweisen, wo sie gebraucht wird, zum Beispiel an den Greenpeace Rechtshilfefond. Sie werden sich danach besser fühlen!