Hallo Golfhamsters…
da draußen an den Bildschirmen … Na, wie geht es Euch?
„Ja, die Natur spielt verrückt,“ sagte die Dame am Sonntag auf der Runde, und: “Ist das nicht ein Traum?” Sie meinte das Wetter. Ich sagte: ” Ja, ein Alptraum, weil, wenn die Bäume keinen Frost bekommen, und die Schädlinge …”… ach was soll ich darüber lamentieren, fragt Euren Greenkeeper was das bedeutet.
Alle gut gerutscht? Auf dem Boden der Tatsachen angekommen? Prima. Ich auch. Heute war ich bei einer Augenärztin, die aus Polen stammt. Sehr nette Frau, aber sie konnte mir nicht helfen. Sie könne nur noch verkaufen, IGELN, wie das jetzt heißt. Alles andere macht Defizit. Das müsse ich verstehen. Es wäre in Deutschland heute so, wie damals, als sie noch in Polen lebte. Wenn man eine gründliche Untersuchung brauchte, musste man dem Arzt 100.-$ in die Tasche stecken. Danke Ulla!
Was ich sonst so treibe? Ich arbeite seit Wochen an einem Buch, das GOLFGAGA heißen wird. Es wurde auch schon in PLOCK! erwähnt, die erstmals in der deutsche Golfpresse die wahnwitzige Idee hatten, über Euren Lieblingsautor der besonderen Art eine Story zu machen. Ist toll geworden. Auf einem Bild schiele ich, auf dem nächsten ahnt man die Blähungen, die mich quälten, auf dem dritten grinse ich dümmlich, aber was solls. Meine Ex-en meinen, ich müsse mich an die Realität gewöhnen. So ist die Welt.
Also ein Golfbuch. Tja, da sitze ich jetzt dran, weshalb ich nach wie vor alles andere schleifen lassen muss. Worum es da geht? Ändert sich täglich. Im Moment hänge ich fest. Ich hatte schon mehrere Konzepte entwickelt, zum Beispiel dachte ich an ein „Kochbuch für Golfsingles“ mit großem Rezeptteil. Das war mir dann aber doch zu trivial. Außerdem hatte ich schon immer vor, einen Roman zu schreiben, der von Eifersucht, Leidenschaft und Golf handelt. Eine Liebesgeschichte, die auf dem Golfplatz spielt. Ein Drama aus der Welt der Hochfinanz, des Adels und englischer Dekadenz. Der Fluch der weißen Kugel!
Die Geschichte beginnt damit, dass der 7. Earl von Cunningham auf der Schlosstreppe über seinen Niblick stolpert und geradewegs in den Porsche fällt, in dem die Vermögensvernichter einer deutschen Großbank die geheimen Unterlagen vom verborgenen Goldschatz der Lady Ashton Lilly Gwenlithwine aus Strathpeffer versteckt haben. Er bricht sich dabei das Genick, aber schon im nächsten Kapitel konnte ich nur noch seine Hunde angemessen unterbringen, bevor mir die Luft ausging, wenn wir mal von jener Szene absehen, in der ein alter Butler namens Willis versucht, das Beweisstück, einen Golfball zu schlucken, um seinen Herrn vor einer Mordanklage zu schützen. Außerdem war ich vollkommen fasziniert davon, wie Fachleute von Reputation Vermögen verschwinden lassen können, worauf ich das Thema Golf vollkommen vergaß. Dieses verschwinden lassen brachte mich aber auf eine andere Buchidee. „Zauberhaftes Golf“, das Handbuch zum grünen Weg der Golfmagie.
Wie Ihr alle wisst, ist „Magischer Moment“ eine häufig benutzte Metapher im Golfzusammenhang ist. In keiner anderen Sportart gibt es so viele Beschreibungen von „magischen Momenten“, „Ballmagiern“, „zauberhaften Spielen“ und „wundersamen“ Begebenheiten, wie im Golfsport. Dabei meint man glückliche Zufälle. Oder das besondere Können von Meisterspielern, die es nach jahrelangem Training geschafft haben, einen Bewegungsablauf so leicht und mühelos erscheinen zu lassen, dass er wie Zauberei wirkt.
Zwei Dinge fallen mir ein, die nach wie vor von einem Zauber umwoben sind, mystisch, unerklärt und voller Geheimnisse: Wie man von seiner Hausbank einen Kredit bekommt, wenn man ihn braucht und wie man beim Golfen zaubert. Ich besuchte eine ältere Dame vom Fach und sie brachte mir bei, wie man „Schwurrdiburr“ intoniert. Habt Ihr schon von Schwurrdiburr gehört? Schwurrdiburr ist ein Zauberwort. Man kann es immer einsetzen, wenn etwas schneller gehen soll, jemand verschwinden soll oder jemand auf der Puttlinie rumsteht. Tja, und dann passierte ein kleiner Unfall. Ich will das nicht ausführen, aber ich musste dem Club versprechen, dafür zwei neue Mitglieder anzuwerben und die Finger von der Zauberei zu lassen. Also ließ ich auch das Zauberbuch liegen und machte an meinem Roman weiter, den ich aber in die Münchner Gesellschaft verlegte, weil ich das irgendwie aktueller fand. Es ist die Geschichte von einem hübschen, jungen Ding, das sich am grimmigen Türsteher vorbei in die Nobeldisco windet, um dann, nach einer langen, trunkenen Nacht, im Gästezimmer eines herrschaftlichen Hauses zu erwachen. Ein diskreter Diener legt ihr Morgenmantel und Pantoffeln vor und bittet zum Frühstück. Der junge Herr sei noch bei den Pferden, würde aber bald zurück erwartet werden. Aschenputtel rollt die Augen vor Glück und verschwindet im Bad, um sich alle herumstehenden Fläschchen auf einmal in die Wanne zu kippen und hofft inständig, nicht so schnell aus dem Traum zu erwachen.
Der Rest ist schnell erzählt. Er ist bei Tageslicht viel älter, als sie in Erinnerung hatte, aber Liebe macht bekanntlich blind. Ja, er hat es mit Pferden, aber seine noch größere Lust gilt dem Golfsport. Die beiden heiraten und bald stellt sich heraus, dass das viele Geld nicht dazu da ist, dass man es ausgibt. Er trägt kleine englische Karomuster auf weißgrundigem Hemd und erwartet von seiner Frau, dass Sie nachstopft, wenn das Button-Down Loch ausreißt. Weil sie das nicht kann, gibt es Szenen. Mama, die ohnehin das Sagen hat, knöpft sich die Hemden vor und macht ihrem Liebling klar, dass er mit unserer tragischen Heldin keine gute Wahl getroffen hat. Schon nach kurzer Zeit werden die gemeinsamen Lustspiele gecancelt und er wendet sich von seiner jungen Frau ab und seinen Pferden zu, wenn er nicht im Golfclub Hof hält.
Sie sitzt einsam in ihrem goldenen Käfig, die Ärmste, bis ihr Blattgold zu bröckeln beginnt und sie selbst Patina ansetzt. Doch eines Tages geht sie mit zum Golfclub und lernt dort einen jungen, blonden Pro mit blauen Augen kennen, Hansi heißt er. Die beiden verlieben sich unsterblich. Es darf nicht sein, aber die Lust ist stärker und ein Kind der Sünde ist im Anmarsch. Der Ehemann ist glücklich über den Stammhalter, aber Mama ahnt etwas, intrigiert und Hansi muss nach Österreich fliehen. Jetzt wollte ich die ganze Münchner Schickeria, mit ihren Exzessen und Abszessen, zwischen Kitzbühel und München hin und her fahren lassen, aber mittlerweile fand ich das ganze Thema ziemlich langweilig, weshalb ich es dabei belasse und Euch Golfhamsters da draußen erst mal ein schönes neues Jahr wünsche.
Alles Gute!
Eugen Pletsch
P.S.: Was ich heute nicht kommentiere ist, dass laut Pressemeldung vom 15.1. auch Herr Kadelke, den DGV verlassen hat.


