Warum ich zwei Wochen nicht schreiben konnte

Es war am 7. August, genauer gesagt, der Montag nach dem Turnier, als ich in der Redaktionsküche saß und leise weinte. Ich hatte meinen Blog “Die Zehn Gebote für Trinker (An alle: hinter Fettschrift ist ein Link!) verfasst, in dem ich meine Erfahrungen mit Rotellas neuem Buch beschrieb.
Für alle, die aus Zeitgründen eine Kurzfassung brauchen: Der blv-Verlag hatte mir das Buch geschickt, ich hatte es an einem Tag gelesen, das Rotella-Mentalprogramm in ca. 24 Stunden verinnerlicht (was vermutlich zu kurz war), um mich dann, wider besseren Wissens, zu einem Turnier anzumelden. Das habe ich dann in dem Sinne vermasselt, dass es mir nicht gelang, mein gefühltes Handicap von 5 zu spielen. Soweit so gut. Jetzt war ich traurig.
Da saß ich also und weinte. Scharfe Gegenstände waren weggeschlossen, mein Gürtel war konfisziert. Ich war einsam, unglücklich, aber in Sicherheit.
Dann kam Frau Frank, die alles immer so positiv sieht. Sie erinnern sich? Die, die auf der Fahrt in Italien mit der Autonavigationsstimme eines A6 rumgestritten hat? Genau die! Sie habe den neuen Blog gelesen. Also wirklich, ich solle in die Werbung gehen. Da könne ich echtes Geld verdienen! Der Text habe ihr richtig Lust gemacht, dieses Buch zu bestellen - wenn sie denn Geld hätte. Womit wir bei dem leidigen Thema Geld angekommen waren. Frau Frank verweigert neuerdings die Gehaltszahlung in Form von gebrauchten Golfbällen. Ich seufzte.
Die Presseabteilung vom blv-Verlag hat vermutlich auch geseufzt, als sie meine Rezension las. Jedenfalls kamen weder Blumen noch Dankesbriefe, geschweige denn Geschenkkörbe mit Golfbällen. Kennen Sie das? Neuer Trend: Geschenkkorb mit Golfbällen! So einen alten Jubiläumskorb aus einer miefigen Weinhandlung holen, wo man früher lieblichen Glykolsaft mit Blutwurst und Geranien mischte, aber jetzt - total schick - eine Auswahl von Titleist-Bällen, die neueste Ausgabe von Golfpunk, dazu eine Flasche Glykolwein, eine Dose Blutwurst und ein paar Geranien! Kommt total gut, wenn der Juniorchef Jubiläum hat.
Da gehört noch ein Exemplar vom “Weg der weißen Kugel rein, möchten Sie mir zurufen? Nein! Das Buch ist so gut wie ausverkauft. Frank Pyko hortet noch ein paar Exemplare für Sammler, die er bei Sotheby`s unterbringen möchte … Aber jetzt bin ich schon wieder auf Abwegen. Es kam also kein Geschenkkorb vom blv-Verlag. An diesem Tag kamen nur Rechnungen.
Wenn man Rechnungen zu einer kritischen Masse türmt und der Turm umfällt, dann kann das ähnliche Folgen haben, wie das besagte Fahrrad, das in China umfällt und einen VW-Betriebsrat im Werk Mexiko aus dem Tiefschlaf weckt. Hat VW ein Werk in Mexiko? Oder war es Brasilien? Oder war es ein bett in Hannover? Jedenfalls fiel der Rechnungsstapel gerade in dem Moment um, als Frau Frank mich ermunterte, mit Werbung Geld zu verdienen.
Das war, wie gesagt, am 7. August! Was sich sonst, die letzten tausend Jahre, an diesem Tag abgespielt hat, erfahren Sie HIER! (Link, Oliver!)
Im nächsten Jahr wird bei Wikipedia zu lesen sein: “Im CyberGolf-Redaktionsbüro stürzte ein Rechnungsstapel just in dem Moment um, als Frau Frank dem depressiven und - von einem Golfturnier - schwer gezeichneten Autor Eugen P. riet, es mal mit Werbung zu versuchen.”
Es war interessanterweise auch der Moment, an dem ein gewisser Herr Mendelssohn in den kühlen Räumen seiner Finca auf Mallorca darüber meditierte, wer den neuen Newsletter der Firma GOLFMOTION erstellen könnte. Mendelssohn selbst wollte keinen Newsletter schreiben. Seine Sorgen galten seinem Handicap und der Frage, ob er die optimalen Schäfte spielt.
Seine Recherchen hatten ihn auf ein kleines Golfportal am Rande der Milchstraße geführt, wo er zum Beispiel in dem umfangreichen Dossier von Meister Pelz wühlte und Texte eines depressiven Autors fand, der, wie gesagt, gerade weinend in der Redaktionsküche saß, als Herr Mendelssohn am 7. August 2006 folgende Mail verfasste:
Sehr geehrter Herr Pletsch, seit einem Jahr betreiben wir ein Golfreiseportal: www.golfmotion.com. Momentan erweitern wir das Angebot auf weltweit. In Planung ist ein monatlich erscheinender Newsletter. Ich habe einige Texte von Ihnen gelesen die mir sehr gut gefielen. Bitte setzen Sie sich mit mir in Verbindung um die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu besprechen. Vielen Dank, Frank Mendelssohn.”

Wer ist denn GOLFMOTION, werden Sie fragen. Das fragte ich mich auch. Ich will es Ihnen sagen, liebe Leser, denn ich habe mich schlau gemacht: GOLFMOTION ist das einzige Internet-Reiseunternehmen, das sich auf Golfreisen nach Mallorca und den übrigen Balearen spezialisiert hat. Und neuerdings die Kanaren. Einzelreisen, Gruppenreisen, Clubmannschaften, Golf-Pros - jeder bekommt individuell gestaltete Golf-Packages. Natürlich nur Oberliga-Hotels, Resorts, Landhotels und Golfplätze. Da GOLFMOTION auf Mallorca residiert, hat man beste Kontakte. Das bedeutet für uns: gute und vorreservierte Startzeiten! Zudem ist GOLFMOTION das erste IAGTO Mitglied als Golfreiseveranstalter auf den Balearen. Also die angesagte Adresse vor Ort.
“Na gut”, dachte ich, während ich die Rechnungen aufsammelte. “Mit Geld können die mich nicht beeindrucken, aber wenn es darum geht, vielleicht einem Kulturprojekt zu helfen, das der Völkerverständigung dient – warum nicht? Vielleicht könnte ich auch ein Buch vorstellen, wie das von Bob Rotella, und viel Gutes damit bewirken. Tja warum nicht? Warum sollte ich keinen Newsletter schreiben? Herrn Mendelssohn rief mich am nächsten Tag an und erzählte mir, dass er gerne meine Texte liest. Ja, ich weiß, die sind - wie mein Schwung - leichtfüßig hingehaucht, zauberhaftes Elfenwerk.
ABER: Ab dem Moment, als ich wusste, dass mein Blog noch einen Leser mehr hatte - außer Oliver Heuler, Susanne Landskron und Petra Frank - kam Stress auf. Mehr als ein überschaubarer Flight von drei Leutchen, dazu noch ein Herrn Mendelssohn, der sich offen bekennt, ein begeisterter Leser zu sein - da brach alles in mir zusammen. Der Druck wurde zu stark. Ich begann beim Schreiben zu yipsen. Rotella konnte nicht helfen, den hatte ich an Susanne verliehen, die seit der Lektüre ein Turnier nach dem anderen gewinnt.
Mir fiel kein Wort mehr ein. Geschweige denn ein Newsletter. Es war wie dieser Moment, wenn Sie jemand nach neun Löchern, wo Sie - mit etwas Pech - drei über liegen, fragt, ob Sie beim Schlag aus- oder einatmen. ZACK! Sie denken nach und die Elfen hopsen in ihre Blüten zurück und der Zauber ist vorbei. So ging es mir. Deshalb haben Sie nichts mehr von mir gehört. Das ist die Geschichte. Schöne Geschichte? War nur eine Geschichte. Alles nur Spaß. Ich hatte einfach keine Zeit.
Mein ältester Sohn heiratete eine schöne Araberin. Also hatten wir eine arabische Hochzeit. Motto: Tausendundeine Nacht. Da gab es viel zu tun. Araberhengste striegeln, die Küche überwachen, Zelte aufbauen, fliegende Teppiche festbinden und Tänzerinnen betrachten. Ich konnte einfach nicht schreiben. Ich dachte nur an Pferde, Zelte und - zugegeben - an die Tänzerinnen.
Ihr
Eugen Pletsch