Das lange und das kurze Spiel
Ich bin mal wieder mit meinem Persimmon-Hölzern losgetrabt und spiele mit einem alten Kumpel, den meine ewigen Marotten nicht mehr kümmern. Übrigens der, der am Tag meines Rotella-Traumas Flightpartner bei besagtem Turnier war (siehe letzter Blog).
Es ist heute nicht mehr so heiß, der Platz wird langsam wieder grün und die Bälle rollen nicht mehr so lang. Trotzdem hält der Persimmon-Driver ordentlich mit. Ich habe dieser Tage mal getestet, dass ich mit drei aktuellen neuen Drivern feinster Bauart zwar bei optimalem Treffen länger bin, auch bei Off Center Hits, aber die Länge hängt immer davon ab, wo der Ball aufkommt und wie er kickt, da ich kein besonders langes Carry habe. Nicht optimal getroffene Bälle liegen manchmal auch nur bei 170 - 190 Metern. Mit dem Persimmon-Driver habe ich derzeit noch eine gewisse innere Unsicherheit beim Abschlag, bin aber im Vergleich zu den Monsterköpfen jedes Mal überrascht, wie gut, hoch und geradeaus der Ball fliegt. Ich beginne jetzt damit, dem Ball einen Draw oder Fade zu geben, was ich bei diesem Schläger als wesentlich einfacher empfinde als bei einem Schläger mit Monstertitankopf. Den Dd 6 von Wilson, den ich den Sommer über spielte, habe ich ja schon mehrfach wegen seiner leichten Spielbarkeit und dem tollen Schaft empfohlen. Der neue Titleist 905 R mit dem grünen Adila NV 65 - R Schaft ist natürlich auch der Hammer. Vermutlich der am leichtesten zu spielende Titleist-Driver den es bisher gab, da das der Amateur die gewohnte Titleist-Performance bei maximaler Spielbarkeit erleben kann. Ich habe die Titleist-Driver seit dem D-Driver alle gehabt und meine, das beurteilen zu können. Den D-Driver spielte ich bevor ich das neue Persimmon-Holz hatte, manchmal abends, denn so ein Schläger erzieht, ähnlich wie Blades, zur Genauigkeit. Man muss ziemlich exakt treffen, was dann aber schöne Ergebnisse bringt. In dieser Woche der Vergleiche habe ich dann auch meinen Titleist 983 K mitgenommen, den ich in den letzten Jahren mit einem Light-Shaft von Titleist spielte. Es war mir zu Gehör gekommen, dass dieser Driver wegen seines Core-Wertes ab dem nächsten Jahr verboten wäre. Ich habe den immer schön getroffen und geradeaus gespielt und liege mit dem (ähnlich wie mit dem Persimmon) bei 200 bis 220 Metern und wenn’s gut kickt, halt auch wesentlich länger. Ein zuverlässiges Teil und präzises Werkzeug. Und den soll ich jetzt aufgeben, weil der einen angeblich Trampolin-Effekt hat, von dem ich noch nie etwas gemerkt habe? Bei meiner Schwunggeschwindigkeit? Ist ja wohl ein Witz! In einer aktuellen Werbebeilage sehe ich, dass der 983 K zu einem Sonderpreis 249,- Eupen angeboten wird. Kein Wort davon, dass der Driver bald nicht mehr zulässig sein wird. Ich rufe dort an und frage nach. „Das gilt erst ab 2008“, heißt es. Tja, ob man da nicht mal einen Hinweis reinbringen müsste? „Ähh, der Chef ist im Urlaub…“ Alles klar. Na gut. Sind noch anderhalb Jahre. Ich kenne Leute, die wechseln in der Zeit dreimal ihren Driver. Zum Beispiel ich. Aber dass ich mit meinem Tuntenschwung den 983 K nicht mehr spielen darf, wenn mir gerade mal danach ist, finde ich ärgerlich.
Andererseits: Ab 2008 werden unsere Blockwartsmentalitäten im Bag ihrer Mitbewerber rumstöbern, um zu sehen, wer einen H-Core Driver spielt. Dann heißt es nach dem Turnier, wenn sich jemand untergespielt hat: Illegal! Protest! Und dann kommt Stimmung in die Bude.
Über all das ratsche ich mit meinem Kumpel auf der Runde. Ich war während der ultraheißen Sommertage nicht so häufig im Club und so erzählt er mir, wie sehr sich gerade die Damen unterspielt hätten. Die hätten durch die Hitze enorm lange Bälle geschlagen und dann den Sack zugemacht. Stützt Heuler Theorie, dass das lange Spiel entscheidend für einen guten Score ist. Daraus darf ich mal zitieren:
„Für unsere Ergebnisse ist hauptsächlich das kurze Spiel und nicht das lange verantwortlich. Das glauben 99 Prozent aller Golfer und trotzdem ist es Unsinn. Wer beispielsweise 40 Putts braucht und das mit den durchschnittlich 29 der Tourspieler vergleicht, denkt, er habe 11
Schläge beim Putten verloren. Vergessen wurde dabei, dass der Tourspieler seine langen Schläge und Annäherungen viel näher an die Fahne legt und deshalb kürzere Putts hat. Die einzige Chance herauszufinden, wo man wie viele Schläge verliert, besteht in folgendem Experiment: Der Hobbygolfer macht alle langen Schläge sowie Annäherungen und sobald der Ball auf dem Grün liegt, übernimmt ein Tourspieler das Putten. Am Ende wird die benötigte Schlagzahl mit dem Durchschnittsergebnis des Hobbygolfers verglichen, wenn er alleine
spielt. Dieser Test wurde in Amerika tatsächlich gemacht. In einem zweiten Test hat der Amateur die langen Schläge sowie das Putten übernommen und der Tourspieler die Annäherungen. Im dritten Test hat dann der Tourspieler die langen Schläge gemacht und den Amateur annähern und putten lassen. Hier das Ergebnis: Am meisten haben die Amateure profitiert, wenn der Pro die langen Schläge übernommen hat. Der Unterschied vom Pro zum
Durchschnittsgolfer erklärt sich zu 60 Prozent durchs lange Spiel, zu 30 Prozent durchs Annähern und nur zu 10 Prozent durchs Putten. Trainieren Sie also weiter auf der Range und nicht auf dem Putting-Grün, und ab heute ohne schlechtes Gewissen.“ (Link zum Film)
Auf unserer heutigen Runde sind wir beide frei von Turnierstress und geben uns die Kante. Wir driven ähnlich lang, haben beide ein gutes kurzes Spiel und frei von Yips geht es bei mir richtig zur Sache. Nach elf Loch liege ich drei über Par, spiele auf der 12. einen Birdie und ab dem Moment, wo mir bewusst wurde, dass das die Runde meines Lebens werden kann, geht mir der Arsch auf Grundeis und ich putte zwar noch gut, aber nicht mehr tödlich. Das heißt, es kommen einige Bogeys zusammen. Auf der 18 schlage ich meinen 2. Schlag mit schlafwandlerischer Sicherheit ins Wasser. Eigentlich der einzige Golfschlag, den ich perfekt mit jedem Schläger aus jeder Lage beherrsche: der 2. Schlag an der 18 ins Wasser. Ich droppe, pitche an den Grünrand und chippe ins Loch. Die 5 gerettet!
Heute war kein Programm in meinem Kopf, kein Ziel, kein Mentaltrick. Einfach nur gut drauf, Spaß gehabt und auf den letzten Löchern ein leichtes Flattern. Ich vermute mal, dass es das ist, was Rotella meint: einfach spielen und Spaß haben. Aber bis man das hinbekommt, muss man dem Affen Zucker geben und dem Hirn etwas zu denken, woran es sich festhalten kann. Die Runde beende ich mit 7 über Par und fühle mich für den Sonntag rehabilitiert. Besser kann ich es nicht. Es wird mir wieder mal bewusst, was die Jungs bringen, die mit Level Par oder drunter reinkommen. Die brauchen lange Schläge auf die Bahn und perfekte Schläge aufs Grün, um Birdies zu machen. Heuler und Rotella haben wohl beide auf ihre Weise Recht.
Ihr
Eugen Pletsch
P.S. Oliver Heuler hat mich, als eifriger RRS-Feed Nutzer, darauf hingewiesen, dass er bei meinen Texten im RSS-Feed-Format nicht erkennen kann, wo ich Links gesetzt habe. Da ich weiß, dass viele meiner Leser den Blug ausdrucken und auf dem Klo lesen, habe ich die Stellen wo Links gesetzt sind, in den letzten Wochen meist dunkelgrau bzw. in Fettdruck gestellt, damit der Text lesbar bleibt (Ein SW-Drucker zeigt blaue Links z.B, als leere Stelle an.)
Ich bitte RSS-Feed Nutzer, dies zu beachten.


