Für Deutschland: Schenken Sie dem Kaiser ein Kind!
Nein, ich habe mich nicht im Rough verirrt oder mich mit dem Sandwedge nach einem Turnier selbst entleibt, liebe Christiane aus Heidelberg.
Ja, ich war verreist. Ich dachte, ich hätte das im letzten Blog erwähnt und auf der Startseite von Cybergolf deutlich gemacht, dass ich jeweils ein paar Tage im Sporthotel Ellmau in Österreich, dann im herrlichen Golfclub Toskana „Il Pelagone“ und noch ein paar golffreie Tage in Schreibklausur in Kochel verbringen würde.
Diese Reise hat mir Schreibkrämpfe und innere Kämpfe verursacht, aber letztendlich siegte die Regeneration. In den letzten Tagen wurde ich, rotbackig, rund und pumperlgsund, des öfteren für Bruno den Bären gehalten, dessen tragisches Schicksal wir in Kochel unmittelbar miterlebten. Man kann sich nicht vorstellen, wie die Bayern das mitgenommen hat.
Brave Bürger, die ihre Staatskanzlei bisher für das Vorzimmer vom lieben Herrgott gehalten haben, äußerten sich in wütenden Leserbriefen. Menschen, die bislang jede Kritik an der Staatsführung als Blasphemie verurteilt hätten kochten, als durch Fernsehberichte bekannt wurde, dass der feige Mord an JJ längst geplant war und alles Gerede der Politiker nur Lug und Trug. Da hat nur ein „Schmied von Kochel“ gefehlt und die Bayern hätten ihrem „Schnappi“ mit der Sense Beine gemacht.
Aber die große Volksdroge „Fußballweltmeisterschaft“ legt sich wie ein warmer Mantel auch über diese Wunde. Die Herzen der Menschen sind vom dem Glück erfüllt, Deutsche zu sein, auch wenn sich viele nur noch das Fähnchen am Auto leisten können und nicht mehr den Sprit, um laut hupend im Corso ihre Freude zu bezeugen.
Ich hatte das Land eigentlich fluchtartig verlassen, um dieser Massenpsychose höflich aus dem Weg zu gehen, aber zugegeben: Die Emotionen haben auch mich fern der Heimat ergriffen. Im Kessel von München haben die Deutschen endlich das Trauma vom Kessel von Stalingrad überwinden können. Seit die deutsche Mannschaft siegt, ist wie ein Wunder auch mein Yips verschwunden. Ist das nicht unglaublich? Wunder über Wunder. Deutschland ist eine einzige große, fröhliche Party. Ein Ruck geht durchs Land. Aufbruchstimmung allerorten. Hand in Hand stemmen wir den Sanierungsfall Deutschland. Eine neue bessere Zukunft kommt heran. Schön wär´s. Wenn man sich anschaut, was die Blutegel von Berlin zur gleichen Zeit an neuen Gesetzen durch den Bundestag peitschen, kann einem schlecht werden. In Nachtsitzungen, werden mit heißer Nadel “Reform”-Luftmaschen gestrickt, damit fußballerschöpfte “Politiker” rechtzeitig in ihre Sommerpause kommen. Bei welchem Sanierungsfall in der Wirtschaft könnte sich das Management erlauben, mehrwöchig in den Urlaub zu fahren?
Mich erinnert diese “Politik” an eine Räuberbande, die zu einem großen Straßenfest einlädt: Während die Bürger fröhlich tanzen und sich besaufen, räumt die Bande die Hütten aus. Die Paläste bleiben verschont, weil Alarmanlagen das Partygetöse übertönen könnten.
Ich sah einen Bericht, nachdem jetzt der Zugang zu sauberer Luft besteuert werden soll! War das eine Ente? Eigentlich habe ich mich längst gewundert, warum wir noch nicht für Luft zahlen müssen.
Trotzdem: die Stimmung ist außerordentlich, selbst unter chronisch verkniffenen Nachdenklern. Es scheint, als hätte das Volk nach langer Verstopfung endlich eine Art kollektiven Stuhlgang gehabt. Alle atmen auf. Lebenslust ergreift auch die besseren Gehaltgruppen. Selbst spröde Karrierefrauen mit Eisfach-Aura spüren, auf der Fanmeile beim After Work -Schunkeln mit dem Kollegen aus der italienischen Konzernzentrale, ein lüsternes Ziehen im Unterleib und eine Stimme flüstert:“ Tu es, JETZT! Schenk dem Kaiser ein Kind!“
Da geht der Golfsport baden. Markus Brier kann auf der Tour gewinnen, Einhaus kann sich als erster Deutscher Amateur für die „Open de Golf“ in Frankreich qualifizieren, Ogilvy kann die US Open gewinnen, Martin Kaymer eine 59 spielen und ich von den neuen, hinteren Tees im Golfclub Toskana eine 81 – wen interessiert das?
Ein altes Indianersprichwort sagt: Wenn der letzte Bär geschossen ist und Deutschland Weltmeister wird, werden die Menschen begreifen, dass man Golfbälle nicht essen kann, selbst wenn sie schwarz-rot-gold bemalt sind.
Also: Damit alles gut wird für Deutschland - schenken Sie dem Kaiser ein Kind!


