Schlägertests und 99 Jahre DGV Zukunft
Wir haben es ja schon immer gesagt, aber jetzt ist es amtlich: Der COBRA Speed Driver, den wir im Frühjahr 2006 zum Test erhielten und begeistert besprachen, wurde auch beim großen ROBO- Driver Test in der aktuellen GOLFtime als Nr. 1 bestätigt. Aber auch diverse andere Driver erhielten ihre Best Driver-Zertifikate, denn jedes Töpfchen braucht sein Deckelchen und jeder Spieler den zu ihm passenden Driver. Dass es in diesem Test nicht darum ging, die Marketingbudgets der Herstellerfirmen zu hofieren, (wie das sonst üblich ist) geht z.B. daraus hervor, dass auch der Titleist-Driver getestet wurde, (und sehr gut abschnitt) obwohl sich die Marke an dem Test gar nicht beteiligen wollte. Warum auch? Die Fa. Titleist schickt der Cybergolf-Redaktion seit Jahren den jeweiligen Prototypen eines Driver der neuen Serie ins Haus. Unser Schlägertester, Herr Grötschmann, gibt dann das Feedback, das es braucht, um in Serie zu gehen. Weltklassespieler können das nicht, zumindest nicht so, wie unser Herr Grötschmann. Die handwerkliche Kompetenz eines Weltklassespielers reduziert sich mittlerweile auf immer längere und schnurgerade Schläge. Aber schon um einen Draw oder Fade zu spielen, braucht ein Top-Profi wie Phil Mickelson mittlerweile zwei Driver.
Unser Herr Grötschmann dagegen hat „alle Schläge im Bag“, wie man das in der Golfsprache nennt. Herr Grötschmann toppt zuverlässig von Tee, skyt, socketiert, shankt, und kann einen Hook oder Slice so häufig spielen, wie kein anderer Schlägertester, den wir kennen. Bei einem Luftschlag hört er am Pfeifen des Schaftes, ob der ordentlich gewickelt wurde, geshaped und sauber verklebt. Den cholerischen Schlägerwaldwurf, den flachen und steilen Teichwurf, sowie der gerade donnernde Bodenschlag auf einen Feldstein gehören ebenfalls zum Repertoire unseres Herrn Grötschmann. Ich sage immer: „Karl –Heinz, (Herr Grötschmann heißt Karl-Heinz) wie machst Du das nur? Der Driver sieht aus, als wäre er unter die Pferde gekommen!“ „Ist er auch,“ lächelt er listig. “Der alte Timex-Trick. Das Produkt an ein Pferdebein binden und dann laufen lassen.“ Soviel heute zum Herrn Grötschmann. Jedenfalls wissen die Jungs von Acushnet: Wenn Karl-Heinz die Lackierung eines Drivers freigibt, dann kann man mit dem Holz Pferde stehlen.
Auch wenn meine Augen nicht gelasert wurden, hat sich meine Sicht der Dinge irgendwie verändert. Als ich im letzten Jahr mit dem Chilly-Putter zu experimentieren begann, merkte ich bereits, dass meine Wahrnehmung der Realität irgendwie verschoben ist (ich höre frühere Partnerinnen jetzt sehr laut nicken).
Das nächste Schlüsselerlebnis war meine offensichtliche Insel-Wahrnehmung beim Hearing des DGV-Verbandstages 2006. Ich habe jetzt fast alle Kommentare und Meldungen der Fachzeitschriften zu diesem Thema gelesen und muss feststellen, dass alle Autoren an diesem Nachmittag offensichtlich nur Friede, Freude, Eierkuchen erlebt hatten. Der einzige Bericht, der sich meiner Wahrnehmung annähert, ist eine verklausulierte Beschreibung in GOLFtime, die vermutlich von Marcus Brunnthaler stammt. Oskar Brunnthalers „Deutschland geht baden II“ zeigt weitere Aspekte zu dem Thema auf. Oskar war beim Hearing nicht vor Ort, was ihn offensichtlich vor der Gruppenhypnose geschützt hat. Vielleicht war etwas im Essen, was bei mir allein nicht gewirkt hat, weil Drogen bei mir keinen Sinn mehr machen?
Ansonsten: Das Thema DGV und Clubfreie ist endlich durch. Alle können aufatmen. In der Presseerklärung „99 Jahre – und die Zukunft noch vor sich“ vom 26.5.2006 outet sich der Deutsche Golf Verband e.V. endgültig als die Gemeinschaft der Golfclubs und Golfanlagenbetreiber. Von Golfspielern ist keine Rede. Der DGV wird somit nicht für die Interessen der vielen Tausend Spieler eintreten, die, wie international üblich, als freie Golfer unterwegs sind und in Deutschland als Graugolfer diskriminiert werden.
Clubgolf in Deutschland wird jetzt zwar, nach massiven Interventionen der Golfplatzbetreiber, unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten modifiziert. Aber die zahlenmäßig weltweit größte Spielergruppe der clubfreien Golfer bleibt in Deutschland außen vor und ist zum Abschuss freigegeben. Entgegen internationalen Gepflogenheiten wird doppeltes Greenfee gefordert, obwohl der DGV (und somit die Clubs) in den letzten Jahren von VcG –Spielern und anderen Clubfreien Millionen kassiert hat. Wenn sich der DGV vom Einzelspieler noch weiter entfernt, entsteht ein Vakuum und ich hoffe, dass sich bald ein Verein freier deutscher Golfer organisiert, der die Belange aller freien Golfer vertritt. Es sind natürlich längst nicht alle Clubs so borniert, wie es scheint. Mancher Manager würde gerne anders und beschwert sich im vertrauten Gespräch über den Druck, den er von Verbandsobristen bekommt. Clubfreie sind durch Sonderregelungen auszugrenzen, meinen einzelne Präsidenten, die es sich leisten können. Jemand erzählte mir: Hinter jedem lauten Präsidenten steht eine reiche Frau, Har Har! Na dann. Ich weiß es nicht. Aber so ein bisschen den Kontakt zur Realität und zum Sinn dieses Spiels haben manche wirklich verloren, oder?
Ach, mir geht das auf den Keks. Ist doch eigentlich langweilig. Ich würde das Thema längst nicht mehr anfassen, wenn es mich nicht so ärgern würde. Als langjähriger und bekennender „Graugolfer“ tun mir die vielen Leute Leid, die Spaß am Sport haben, gerne spielen würden und nicht spielen können, weil eine bonierte Bande von Monopolisten ihr Brett vorm Kopf auch noch mit Stacheldraht und Elektrozaun drapiert. Wäre der DGV ein Verband für alle Golfer, dann gäbe es heute eine Menge öffentlicher Spielmöglichkeiten und eine vernünftige Regelung, nach der freie Ressourcen dem Markt zur Verfügung stehen, ohne dass da manipuliert und diskriminiert wird. Jeder Club hat sein Hausrecht und mehr braucht es nicht.


