Nicht die Augen gelasert, aber die Damenliga gerettet!

Erst mal etwas Persönliches: Danke für die vielen guten Wünsche!
Um es vorweg zu nehmen, meine Augen wurden nicht gelasert.
Ich kam planmäßig in Köln an, wo bei Maus und Heiser der teuerste, schnellste und modernste Augenlaser der Welt steht. Die großzügige und elegante Architektur der Räume zeigte sofort, dass hier seit Jahren erfolgreich gearbeitet wird und das freundliche Team schuf sofort Vertrauen. Nach ausgiebigen Untersuchungen durch verschiedene Augenspezialisten traf ich Herrn Maus, der genau die Ausstrahlung hat, die man sich wünscht, wenn man jemandem sein Augenlicht anvertrauen muss. Er untersuchte mich noch mal selbst, brachte dann alle Werte zusammen und entschied, dass ein Lasern meiner Augen bei über 15 Dioptrien zu gefährlich wäre. Die Gefahr von unerwünschten Nebenwirkungen ist einfach zu groß. Ein klares Wort, was mich einerseits erleichterte, da ich ja wusste, dass eine Operation in meinem Alter in Kombination mit hoher Kurzsichtigkeit zu Problemen führen kann. Die Löcher und Bälle werden ergo so klein bleiben, wie ich sie seit Jahren sehe und wir warten ab, was die technische Entwicklung so bringt.
Apropos Entwicklung: Letzte Woche spielte ich erstmals seit Jahren im Golfclub Marburg, wo ich vor etlichen Jahren bei meinem ersten Clubturnier den Ball vom 1. Abschlag in den Teich versenkte. Dieser Club und Platz sind so richtig schön organisch gewachsen, Schritt für Schritt. Ein guter Pro seit etlichen Jahren vor Ort, eine engagierte Golfgemeinde und eine kleine, aber leckere, italienische Küche. Die Platzerweiterung hat mich angenehm überrascht, auch wenn ich nur die ersten 9 Loch spielen konnte. Ich bin ja ein Fan von 9-Loch Plätzen und hasse es, wenn man die dann auf hippe 18 Loch aufmotzt, aber hier ist das gelungen.
Sehr schön die 9. Bahn mit dem zweiten Schlag – diesmal zurück über den Teich – den ich damals vom 1. Abschlag aus traf.
Was ich richtig Klasse fand, war das Turnier, dass die Damen zu Gunsten des Frauenhauses Marburg spielten. Kein Charity-Gechickse, sondern das Naheliegendste überhaupt: Frauen helfen Frauen!
Überhaupt: Auch wenn sich der Golfclub Marburg vielleicht mehr Greenfee-Spieler wünscht – ich mag diese Verborgenheit, dieses Understatement, die Gemütlichkeit, die einen in Clubs umfängt, die nicht von Managern auf modern getrimmt werden. Keine Sponsorenfahnen von Telekommunikations- und anderen Zeiträubern. Von der ganzen Gangsterbande, die Deutschland mittlerweile das Golfen verleitet, war weit und breit nichts zu sehen. Herrlich!
Ach ja, und dann sprach kürzlich mit einer Spielerin aus unserer Damenmannschaft. Alleinerziehende Mutter, Freiberuflerin.
“Warum müssen jetzt die Ligaspiele an einem Dienstag ausgetragen werden”, fragt sie mich. Als ob ich das wüsste.
„Das wird vermutlich alles von Verbandstanten ausgeheckt, die sich zu Hause langweilen, höchstens mal ihr Alpha-Männchen betüdeln müssen und geregelte Arbeit nur aus dem Fernsehen kennen,“ vermute ich scharfsinnig.
“Wie sollen wir berufstätigen Frauen denn Dienstags spielen und unseren Job machen?“
Tja, da wusste ich auch nicht weiter. Meine Thesen zur Emanzipation der Frau im Golfsport, wie ich sie im Weg der weißen Kugel formulierte, blieben leider von der Fachpresse, und gottlob von den Frauen, unbeachtet. Als wertekonservativer Golfer knappse ich zwar immer noch daran, dass Pros ins Clubhaus dürfen und Frauen auf den Platz, aber wenn schon, dann sollten sie auch sozial verträglich spielen dürfen, oder? Also, was tun?
„Warum Dienstag?“ frage ich.
„Na, weil die Clubs dann Samstags mehr Greenfee- Einnahmen haben,“ sagt sie.
„Aber alle anderen Ligen spielen auch am Wochenende!“
Hmm.
„Vielleicht sollten da mal die Jungs vom DGV mal drangehen,“ schlug ich vor.
„Die haben fähige Leute. Ich denke an eine Aktion „Deutsche Dienstagsfrauenliga geht Golfen“. Wenn die das richtig anfassen, packen die Sponsoring rein bis der Arzt kommt. Jede Liga-Spielerin bekommt ein Premiere-Paket, dazu einen Laptop, eine Dessous- Ausstattung, drei Wellness-Tage und einen arbeitslosen Masseur als 1- Euro Caddie.”
“Aber dann bleiben alle zu Hause!“
“Yes”, grinse ich.
Sofort begreift sie meinen genialen Plan und ergänzt: „Bis Samstag haben sich alle an Premiere satt gesehen, der Laptop ist kaputt, die Wellness-Tage sind um und der Masseur hat auf der Flucht die Dessous zerrissen!“
„Richtig!”
Sie schien erleichtert.
„Und dann“, flüstere ich, „nimmt alles wieder seine geregelte Form an. Die Jungs vom DGV haben von Premiere achthunderttausend Euro Werbewert erhalten und dabei nur 125 Tausend Miese gemacht. Alle sind glücklich und der Platz ist am Dienstag (für mich) wieder frei.“
Da waren wir beide froh.