Warum in die Ferne schweifen?
Die Winterurlauber und die Clubmannschaften sind aus ihren Sonnendestinationen zurück und wieder einigermaßen ausgenüchtert. Wenn ich so höre, was erzählt wird aus der großen, weiten Welt der ultimativen Abzocke, dann bin ich doch froh und dankbar, dass ich wenige Tage nach Ostern 2006 die Gelegenheit nutzte, ein paar heimatliche Golfclubs zu besuchen.
Erste Etappe, nachdem ich im Cybergolf-Headquarter, dem Golfpark Winnerod bei Gießen, meine Schläger, Testschläger und diverse modernistische Trainingstechnologien verladen hatte, war der Golfclub Lauterbach, von Winnerod aus in nördlicher Richtung kaum 30 Minuten entfernt.
Ich verließ die Autobahn Frankfurt/Kassel bei Alsfeld und fuhr in östlicher Richtung. Der Vogelsberg, letzter aktiver Vulkan in der Region, raucht in der Ferne.
Vor Lauterbach, in Maar, geht es rechts Richtung Schloss Sickendorf (hinter Heblos).
Zwischen alten Bäumen, in herrlich weiter Landschaft, liegt die 18-Loch-Anlage (mit Hackerkurzplatz) – der Golfclub Lauterbach.
Der Manager Herr Hölz begrüßte mich überaus herzlich, entließ mich aber bald auf den Platz, da ich die Sonne und die Anlage genießen wollte. Wie wir alle wissen, war es ein langer, harter Winter. Dieser Tag, mein erster „Ferientag“ seit Monaten, war auch der erste wirklich warme Tag, den ich in diesem Jahr dem Frühling zuzählen würde. Manche Stellen auf dem Platz waren noch sehr nass. Aber wenn man sich überlegt, dass der Club (neben einem Manager, einem Pro und einer Sekretärin) nur drei Greenkeeper beschäftigt, dann ist der Zustand der Anlage wirklich außerordentlich. Da kann man nur den Hut ziehen vor Herrn Hölz und seinem Team. Es mag schnellere Grüns geben, aber nicht um diese Zeit in Mittelhessen, und mal ehrlich: wer braucht wirklich schnellere Grüns? Was wir brauchen, sind größere Löcher!
Herr Hölz nahm sich die Zeit für ein gemeinsames Abendessen in der „Mühle“, einem Gasthof im nächsten Ort, der sich durch ein gutes Preis/Leistungsverhältnis und frische Salate empfahl. Am nächsten Morgen, vor meiner Abfahrt nach Göttingen, hatte ich noch zwei Stunden der Muße, die ich am Pitching- und Chippinggrün der Anlage verbrachte – vollkommen alleine – was ich sehr genoss. Das Übungsgrün war schnell, die Bunker hatten Sand (was in manchen Clubs vergessen wird) und es war mir ein Genuss, das kurze Spiel zu tunen – stille Stunden des Glücks. Natürlich wünsche ich dem Club mehr Besucher, aber bis dahin genieße ich die Ruhe. Lauterbach ist ideal für Golfer, die sich stressfrei und kostengünstig mit ihrem Spiel befassen möchten.
Um kurz nach 12 war ich dann aber schon fast 150 km weiter, beim Golfclub Hardenberg, nördlich von Göttingen. Die Autobahn verlässt man bei Nörten-Hardenberg. Man muss aber nicht in den Ort rein, sondern fährt auf der B3 Richtung Northeim, dann die Ausfahrt Katlenburg rechts hoch in die Pampa, immer den Berg rauf, und oben auf der Kuppe links liegt das Gut Levershausen mit den Plätzen Niedersachsen Course (18 Loch mit Links-Charakter), Göttingen Course (18 Loch im Parkland-Stil) und einem Public Course (öffentlicher 6-Loch-Platz).
Der Niedersachsen Course wurde 2005 von den Lesern des „Golfmagazins“ auf den 19. Rang der schönsten Plätze Deutschlands gewählt. Außerdem unterrichtet hier Stefan Quirmbach, der Präsident der PGA of Germany in seiner Golfschule, unterstützt von den Pros Melanie Dyck, Jörg Fronczak und Greg Tennant.
Nachdem mich die Gastronomie mit Spagetti in Bärlauchpesto und Pinienkernen (€ 6,50) überzeugt hatte, hieß mich der Geschäftsführer der Anlage, Norbert Hoffmann, willkommen und zeigte mir den reich ausgestatteten Proshop. In den Gäste-Umkleideräumen, in denen es an nichts fehlte (Aloe-vera-Lotion!), konnte ich mich für die anstehende Runde auf dem Göttingen Course schminken. Die Sonne war mittlerweile so intensiv, dass eine Sonnencreme empfehlenswert erschien.
Ich trabte zum 1. Abschlag des „Göttingen Course“ setzte mich in den Schatten und wartete auf den großen Moment. Ich wollte mich erstmals mit Susanne Landskron treffen, die ich bisher nur aus Korrespondenzen kannte. Sie ist seit den ersten Tagen mit ihren Beiträgen im Golfforum präsent, war dort Administratorin, sozusagen in Heulers Generalstab, und fiel mir stets durch ihre kurzen, ausgewogenen Beiträge auf. Lange Diskussionen und hitzige Gefechte konnte sie mit einem kurzen Satz oder einer freundliche Nachfrage zurück auf den Teppich bringen oder auf das Niveau, das dem Golfforum angemessen ist.
Anfang des Jahres bat ich die Sprachexpertin einen längeren Text, meine „Legende vom Attighof“, zu redigieren, was sie derart kompetent erledigte, dass ich den Wunsch hatte, sie für neue Projekte persönlich kennen zu lernen. Und jetzt war es soweit.
Als sich eine Frau mit energischen Schritten näherte, ein Bag über dem Rücken, wusste ich: das ist sie! Es war wie ein Wiedersehen alter Freunde.
Die beiden herrlichen Runden, die wir an den zwei Tagen auf „Göttingen“ und „Niedersachsen“ spielten, mögen andernorts besungen werden, denn es passierten merkwürdige Dinge und magische Momente, die ich selbst erst mal verdauen muss.
Beide Plätze sind lang und ich möchte sie nicht an einem regnerischen, kalten Turniertag spielen müssen. Hartes Brot, auch für wetterfeste Golfer.
Susanne, eine gute Golferin, die sich um die Jugendarbeit im Club kümmert, war der ideale Scout, um die beiden Plätze zu entdecken. „Niedersachsen“ lag mir ohne Frage mehr. Die Anlage, mit ihren felsigen Hindernissen und Schluchten (auf der man auch die Karl-May-Festspiele veranstalten könnte), ist zwar noch kräftig am wachsen, aber es zeigt sich jetzt schon, mit welcher Schönheit wir in ein paar Jahren rechnen dürfen.
Stefan Quirmbach begrüßte mich sehr freundlich, als ich am zweiten Tag zur Driving Range kam. Er lobte meinen Text über den DGV-Verbandstag, den viele CyberGolf-Besucher gelesen hatten, aber offensichtlich niemand vom DGV. Denn sonst hätte doch irgendwer mal eine Mail schicken müssen, um zu sagen:
„Lieber Herr Pletsch, vielen Dank für Ihre Version des Hearings. Irgendeiner von uns hat anscheinend nicht alle Tassen im Schrank. Um zu klären, wer, würden wir uns sehr freuen, wenn wir Sie zu dem klärenden Gespräch einladen dürften, das Herr Libor mit Ihnen schon vor zehn Jahren hätte führen müssen.“
Aber nein. Die beteiligten Köpfe beim DGV mögen heute brillanter sein, die Gehälter höher und die Visionen größer – noch größer und höher ist offensichtlich der Schatten, über den immer noch niemand zu springen vermag.
Herrn Quirmbach und sein Team bei der Arbeit zu beobachten, war interessant. Da denkt man, dass so ein bekannter, hochdekorierter Golflehrer und Präsident der PGA of Germany nur an seinen Fingernägeln oder dem Schwung von prominenten Nachwuchshoffnungen feilt, aber nix da: Quirmbach hatte eine Truppe Damen um sich geschart, offensichtlich ambitionierte, engagierte Golferinnen, die es wissen wollten. Auch seine Mitarbeiter waren konzentriert bei der Arbeit. Ich sehe das gerne, denn ich kenne das aus manchen Clubs (leider) auch anders. Die Anlage und die Golfschule sind jedenfalls eine Bereicherung, auch überregional betrachtet, denn mancher Golfer fährt weitere Strecken für weniger Qualität.
Nach einem langen Abend, zu Gast bei Carola Gottschalk und dem Göttinger Beat-Dichter und Maler Theo Köppen, fiel es mir am nächsten Tag schwer, die letzte Etappe meiner kleinen Rundreise zu absolvieren. Der Golfclub Wissmannshof liegt nördlich von Kassel (Ausfahrt Lutterberg) auf einer Höhenlage. Hier ist „Golf mit Weitblick“angesagt.
Die Nacht zuvor hatte es sehr heftig geregnet. Der ohnehin lange Platz war immer noch sehr nass, so dass mir mein Meniskus (und der Hunger) nach 9 Loch den guten Rat gaben, die komplette Anlage zu einem späteren Zeitpunkt neu zu entdecken.
Es muss jedoch das hervorragende Essen (kl. Steak mit Bratkartoffeln und Spargel) erwähnt werden, sowie die gemütliche Gesellschaft der Turnierteilnehmer des „Early Bird“ darunter EPD-Tour-Sponsor Gartz (Kama-Golf), den ich bei dieser Gelegenheit endlich persönlich kennen lernte.
Herr Gartz betreibt auch den Pro-Shop des Golfclubs Wissmannshof, der großzügig dimensioniert und ausgestattet ist. Eine umfangreiche Auswahl an Textilien und die angesagten aktuellen Schlägermarken, die auf dem Indoor-Puttinggrün und dem Indoor-Abschlag getestet werden können.
Mein schönstes Ferienerlebnis war, als ich dann den Büchertisch entdeckte, darauf zwei dicke Stapel vom „Weg der weißen Kugel“, sowie Gallweys „Inner Game Golf“.
Wissmannshof – mein Lieblings-Proshop!


