Flashbacks, Golf und graue Gänse

Es herrscht Wahnsinn in jeder wahrnehmbaren Richtung.
Hunter S. Thompson

Jetzt, zum Quartalsbeginn, werde ich meinen Psychoanalytiker besuchen. Das mache ich immer am Anfang des Quartals. Dann freut er sich, der alte Mann, dass jemand mit Kärtchen eincheckt, der es auch nötig hat, und dann reden wir über alte Zeiten, als wir beide noch jung und randvoll mit psychedelischen Substanzen waren, die ich im „Weg der weißen Kugel“ ausdrücklich empfehle NICHT zu verproben. Golf an sich ist eine bewusstseinverändernde Droge und das reicht.
Zu meiner Zeit wurde in der Subkultur ein Phänomen diskutiert, dass dann später in der Psychiatrie als „Flashback“ zum Fachbegriff wurde.
Flashbacks sind Wahrnehmungsveränderungen, die plötzlich und ohne Drogengebrauch entstehen und dazu führen, dass der, der sie erlebt, in einen Zustand der Verwirrung gerät.
Mit Droge wäre die veränderte Wahrnehmung einer Situation akzeptabel, aber ohne Droge kommt die Angst auf, dass man endgültig verrückt geworden ist.
Aus diesem Grund werde ich also nach Marburg pilgern und den renommierten Altmeister der Bewusstseinsforschung, meinen Freund Peter, konsultieren.
Mich interessiert: Kann es sein, dass ich nach vierzig Jahren, plötzlich beim DGV-Hearing, einen Flashback hatte?
Ich habe meine Erinnerungen an das Hearing basierend auf meinen Notizen vom 7.4.06 am 9. 4.06 niedergeschrieben.
Danach besuchte ich die Website von Golf.de und fand die offizielle Verlautbarung des DGV, die derart von meiner Wahrnehmung des Hearing abweicht, dass ich vermutlich an diesem Tag einen Filmriss hatte - oder einen Flashback.
Woran ich mich noch erinnern kann: die Damen vom DGV waren wieder mal ausgesucht freundlich zu mir, während die Journalisten mich auch nach 15 Jahren immer noch keines Grußes würdigten, außer dem netten Brunnthaler jr. und natürlich HPK, der mich sah, davonrannte und brüllte: „Da fahr ich doch lieber nach Frankreich zum Golf spielen.“
Attighof- Spezl Herbert Stroh lud an der Bar des Sheraton zur geselligen Runde.
Beim Dinner saß ich zu Tisch mit Abgesandten aus den neuen Bundesländern, Raum Erfurt, einer ausgesprochen humorvollen Truppe, die sich aber weigerte, am Büffet Schlange zu stehen. Da wollten sie nicht hin – danke: “Schlange stehen mussten wir vierzig Jahre.”
Ich stand in der Schlange und lernte dabei die überaus sympathische Frau Thannhäuser kennen, die mir das Gefühl gab, dass es durchaus noch gesunden Menschenverstand beim DGV gibt. Herrn Goldrian (PGA) traf ich auf dem Flur, eine weitere angenehme, humorvolle Persönlichkeit, da est nomen omen.
Ich sah einige dieser Geschäftführer und Manager. Wenn ich im Golfforum noch mal die Diskussion betrachte und die Bilder sehe, erkenne ich einige der netten Herren wieder. Alles gescheite Köpfe, ohne Frage. Wenn die so eine Kontroverse wie „Deutschland geht Golfen“ übers Rad brechen, dann wissen wir aus der Wirtschaft: Hier stinkt der Fisch vom Kopf. Hier wurde falsch gebrieft, die Zielsetzung war nicht klar erarbeitet und der Gesamtzusammenhang wurde nicht durchdacht. Das grundsätzliche Selbstverständins des DGV hängt in den Seilen.
Dazu kam vermutlich Zeitmangel! Die Sponsoren drängen. Handys bimmeln. Was machen wir jetzt? Augen zu und durch.
Der einzige Konsens, an den ich mich beim Hearing erinnern kann, war der Moment, als sich alle darüber klar wurden, dass es kein Zurück gab, wie es Günther Bachor zuvor noch gefordert hatte. Der Imageschaden, die Angst vor dem großen Gelächter, ließ alle zusammenrücken und schweigen. Meine diffusen, subjektiven Erinnerungen an das Hearing lesen Sie hier.

Was wird die Zukunft bringen? Ich vermute mal, dass durch den personellen Wasserkopf des DGV die Kosten explodieren werden, wobei gleichzeitig die Geldquelle VcG versiegt. Gerade in dieser Situation werden sich die Sponsoren dem Fußball zuwenden. Die Budgets brechen zusammen, der DGV schreibt rote Zahlen und die Clubs werden zum Nachschießen gebeten. Die besinnen sich plötzlich darauf, dass der DGV ein Verband für alle Golfer sein sollte und fordern eine Umlage unter allen Golfspielern, Clubfreie bitte das Doppelte.
Da Kurzarbeit für Golfer schlecht möglich ist, wird die 9-Loch Runde offiziell zur alleinigen Spielform erklärt. Zocker müssen mit einer DGV-Abgabe rechnen. Aber auch das nützt nichts, denn mittlerweile teilen sich vier Hauptgeschäftführer mit 16 Geschäftführern die Spesenkonten und 400 Personen die Arbeit beim DGV. Ergo beschließt das neue Management, beraten von Berger und McKinsey, defizitäre Clubs, die die Umsatzvorgaben nicht erfüllen, zu schließen. Aber auch das bringt nichts, weshalb man auf der Jahreshauptversammlung des DGV im Jahr 2009 darüber diskutieren wird, ob nicht das Golfspiel nach China verlagert werden sollte. Es müssten etwa 450000 Golfer hierzulande entlassen werden, um die 50000 restlichen Spielmöglichkeiten zu retten. Die Auswahl erfolgt nach sozialenevolutionären Kriterien: Wer weniger als sechs Zylinder fährt, fliegt.
Nach dieser Restrukturierungsmaßnahme wird der DVG in eine AG umgewandelt.
Der Vorstand, der Aufsichtsrat und die Stäbe erhalten Aktienoptionen. Da noch keine Kapitaldeckung vorhanden ist, überschreiben die restlichen 300 Golfclubs ihre Immobilien-, Grund-, und Sachwerte als Sicherheit an den DGV.
Die Hyptheken auf 300 Golfclubs werden sicherheitshalber in DEKA- Fonds angelegt, die sich leider als unsicher erweisen und das Geld ist futsch.
Alles ist futsch und die Manager wechseln zu Premiere, Nike, Vodafone, Focus, Karstadt oder sonst wohin - wenn die nicht auch schon alle futsch oder in China sind.
Tja und dann kommt die Dunkelheit der Nacht.

Irgendwo in der Dünung, im Nebel eines frühen Morgens, ziehen zwei Graugolfer über eine Wiese. Hier war einst ein Golfplatz. Die Grundzüge der Bahnen lassen sich noch erahnen.
Die beiden Burschen schlagen ihren Ball dort hin, wo einst das Grün war.
Glücklich und zufrieden betrachten sie die Morgensonne.
Sie hören einen Zug Graugänse am Himmel und halte inne.
Die Gänse haben die Grippe überlebt, die Graugolfer den DGV .
Es ist ein uralter Sport.
Graugänse fliegen, Graugolfer golfen.
Die beiden Graugolfer bewahren ein Geheimnis.
Sie erfahren das Mysterium, so wie seinerzeit Old Tom Morris auf den Links von St. Andrews.
Es braucht sie nur ein Loch auf einer Wiese,
einen Schläger und einen Ball.