Sie können mich jetzt buchen!
Tja, danke der Nachfrage. Ich habe meine erste Lesung überlebt - und die Anderen auch.
Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass meine erste Lesung ein Erfolg war.
Menschen, die sich bisher peinlich pikiert wegdrehten, wenn ich meinen dreckigen, alten Mondeo neben ihrer S-Klasse parkte, schüttelten mir begeistert die Hände.
Damen, die in mir bisher nur das Schlossgespenst von Winnerod sahen, das plötzlich wie ein kalter Schatten aus dem Nichts auftaucht und Angst und Schrecken verbreitet, erlebten mich erstmals von meiner freundliche Seite und schlossen mich in ihr Herz.
Es haben einige Leute offensichtlich ihren Spaß gehabt, was mich sehr freut, da ich etwas Angst hatte, mich zum Narren zu machen. Aber nein: Alle Bücher wurden verkauft und ich habe jetzt Groupies, die mich mit glänzenden Augen betrachten, wenn ich ihnen eine Widmung mit der obligatorischen kleinen Skizze ins Buch male.
Nur eine gewisse Gruppe von Leuten erstarrte beim zweiten Text, einer flinken Skizze fröhlicher Bosheit. Offensichtlich kam es zu einer schweigenden Identifikation mit meinen Spottgestalten und die linke Seite des Raumes kühlte merklich ab.
Ich merkte das aber gottlob nicht, sonst hätte ich mich zu Kommentaren hinreißen lassen, die man dann bereut.
Leute, die sich nicht daran stören, wenn im trunkenen Kreis eines Herrennachmittags zotige Plattheiten rausgebrüllt werden, schienen pikiert, als ich fragte, wer noch die erste Ausgabe meines Buches im Schrank hat, die damals bei BOD die Viagra -Ausgabe genannt wurde, weil das Titelblatt auf Grund eines Materialfehlers grundsätzlich und dauerhaft nach oben stand.
Es ist mir selbst nichts peinlicher, als wenn angetrunkene Golfer zotig werden und erwachsene Männer pubertäre Kinderwitze erzählen, während ihre Frauen schrill kreischen.
Beim Fasching und Betriebsfeiern ist das auch so und ich werde dann immer traurig, weil ich spüre, wie einsam sich die Menschen fühlen.
Ich bin kein Witze- Erzähler und habe mir auch in der Anmoderation erspart, auf die üblichen Defizite hinzuweisen, die man Golfern bezüglich ihres Liebeslebens nachsagt.
Dieser platte Spruch, mit dem verunsicherte Nichtgolfer im Wald pfeifen:
“Na, haben Sie noch Sex, oder spielen sie schon Golf?“ Haha!
Wenn ich auf so etwas überhaupt antworte, dann mit der Gegenfrage: „Hatten Sie jemals in vier Stunden 18 Höhepunkte?“ Dann herrscht meist klammes Schweigen.
Dabei ist die Frage nach dem Sex grundsätzlich nicht so daneben. Viele Menschen mittleren Alters suchen, dem hastigen Haschen nach schnellen Hormonstößen überdrüssig, nach einer dauerhaften Quelle für den gehobenen Adrenalinpegel und finden diese im Golfsport. Knapp ein Drittel der US-Amerikaner würden, wie ich gerade las, ein Jahr lang auf Geschlechtsverkehr verzichten würde, wenn sie eine Runde auf der altehrwürdigen Anlage des Augusta National Golf Clubs spielen dürften.
Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des US-Magazins „Golf Digest“. Eine gleichzeitig durchgeführte Umfrage der Zeitschrift „Golf for Women“ brachte zutage, dass die weiblichen Golf-Fans mit einer Quote von 31 Prozent ebenfalls reges Interesse an einem Spiel in der „Kathedrale des Golfs“ zeigen. Der Augusta National Golf Club, der in jedem April für die Austragung des US-Masters verantwortlich ist, wollte die Ergebnisse nicht kommentieren. Nicht erwähnt wurde, dass diese Studie nicht repräsentativ ist, weil sie nur in den Südstaaten der USA erstellt wurde, wo 90 % der unverheirateten Erwachsenen überhaupt noch keinen Geschlechtverkehr hatten, 60 % der Verheirateten „es nie wieder ein zweites Mal versuchen würden“ , 78 % unverheirateter Bürger auf Grund sexueller Schuldgefühle mit dem Golfspiel anfing und 90% der Mitglieder von Augusta mit dem Wort Geschlechtsverkehr nichts anzufangen wussten.
Was das jetzt mit den Gästen zu tun hat, die gestern mit meinen Geschichten nichts anzufangen wusste, weiß ich auch nicht mehr.
Nur so viel: Sie können mich jetzt buchen!
Ihr
Eugen Pletsch


