Eine winterliche Hommage an Bernhard Langer

Draußen mit dem Hund, über Eisbrocken und Schneedünen stolpernd, grummelt es in mir. Ich muss die ganze Zeit über die Auszeichnung nachdenken, die Bernhard Langer von Königin Elisabeth verliehen wurde. Wie heißt es so schön in der Pressemeldung: „Ihre Majestät Königin Elizabeth II. freut sich, Bernhard Langer in Anerkennung seiner Verdienste um den Golfsport zum „Honorary Officer of the Most Excellent Order of the British Empire“(OBE ehrenhalber) zu ernennen.“ Das ist schon etwas!
Bei einer Surfrunde durch Golfseiten im Web sehe ich, dass fast alle brav die Meldung aus dem Hause Langer auf ihre Seiten gestellt haben.
Ich auch. Irgendwie hat es mich berührt, zumal ich weiß, dass die Tommies so etwas nicht leichtfertig verteilen. Der Sieg beim letzten Ryder Cup, als „The Blitz Langer“ und sein Team die Amis aufgemischte, war nicht nur ein netter Coup unter Freunden.
Für manche europäische Spieler, die in den USA viel einstecken müssen, ist der RyderCup die einzige Möglichkeit, der bornierten Arroganz dieser politischen und golferischen Weltmacht den Mittelfinger zu zeigen.
Nicht, dass das Langers Kalkül gewesen wäre. Er lebt in den USA und fühlt sich dort vermutlich wohl. Ich bezweifle jedoch, dass er George Bush, nach einem gemeinsamen Gebet, abnehmen würde, dass Guantanamo Bay ein netter Luftkurort ist. Vermutlich würde Bernhard dann höflich nicken und so schmale Lippen bekommen, wie bei den dummen Fragen deutscher Sportjournalisten.
Es muss für ihn die Erfüllung gewesen sein, dass er mit dem europäischen Team einen so klaren Sieg erzielen konnte - ganz ohne politische Hintergedanken.
Die haben andere. Es ist für mache Kräfte, nicht nur in England, die sich mit ihrer Rolle als Vasallen und Domestiken in einer internationalen Verschwörung nicht abfinden wollen, eine Genugtuung, wenn vereinigte europäische Kräfte - egal wo - zu neuem Selbstbewusstsein finden. Und: es gibt immer mehr Leute, die bei Harold Pinters Rede anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises ins Grübeln kommen.

Dieser Orden freut mich noch aus einem anderem Grund: weil er für Bernhard Langer eine Anerkennung ist, die auch die deutsche Sportjournaille nicht kleinschreiben kann.
Na ja, wer weiß.
Im Moment sind sie noch voll des Lobes.
Aber dann finden sie vielleicht heraus, dass die Auszeichnung mit dem „Most Excellent Order of the British Empire“ mehrere Stufen kennt: „Member (MBE)“, „Officer (OBE)“, „Commander (CBE)“, „Knight/Dame Commander (KBE/DBE)“ und „Knight/Dame Grand Cross (GBE)“
Und dann werden die Jungs in ihren Golfheftchen etwas zusammentiteln wie: „Langer nur OBE.“
Ein Jahr nachdem Langer sein erstes Masters in Augusta gewonnen hatte, begann ich mit dem Golfspiel. Das sind jetzt an die 20 Jahre und all die Jahre, von der Zeit Langers in den Top Ten der Weltrangliste bis heute, las ich nur, dass er in der Krise steckt.
Wie damals, 93, als Langer mit starken Rückenbeschwerden in Royal St. Gorges anreiste und den 2. Platz hinter Greg Norman belegte: Langer nur Zweiter grölten die Einfaltspinsel im Chor. Ich war damals vor Ort und glaube kaum, dass jemand hierzulande kapierte, was Langer da abgeliefert hat. Vielleicht Thül, den ich auf seinem Qualifikationsversuch zur OPEN durch diese endlose, windige Mondlandschaft begleitete.

Noch ein paar Zitate aus 88, wozu habe ich mein Archiv, als Langer Siebter (!) der Weltrangliste war und yipsend auf dem nackten Ischiasnerv kroch. (Als Arbeitnehmer wäre er für Monate krank geschrieben gewesen):
„Langer und die verpassten Chancen“. „Langer chancenlos!“ „Langer aus dem Rennen?“ „Langers Probleme mit dem Putten“.
Damals hatte er bei den German Open etwas geschwächelt, vermutlich weil ihm die Diskussion um das Antrittgeld so auf den Keks ging.
Bernhard Langer ist das letzte Überbleibsel einer Generation, die mein Golf geprägt hat und er spielt heute immer noch besser, als Woosie, Lyle, Ballesteros oder sonst wer aus seiner Zeit.
Es hat mich immer geärgert, wie dieser Mann, der international mehr Reputation besitzt, als Boris und Beckenbauer zusammen und der sich seit 20 Jahren – genauso lange wie ich – mit Bandscheibenvorfällen, Yips und Gott herumschlägt, hierzulande behandelt wird.
Und zwar genau von diesen Fachleuten, die sich im Pressezelt den Wanst vollschlagen, um dann ihre Mäuse zu gebären.
Na gut. Wenn er ein Turnier gewonnen hatte oder zuletzt beim Ryder Cup - da konnten sie nicht anders, da mussten sie jubeln.
Anscheinend ist die eine Seite der deutsche Mentalität dieses nicht Anerkennen können und die andere Seite ist schlicht Inkompetenz.
Tja, jetzt sind einige Leser sicher verwundert.
Eugen Pletsch ein Langer- Fan? Späte Einsicht eines Spötters?
Es dürften kaum zwei Golfer unterschiedlicher sein als Herr Langer und ich, was das Spielerische und auch das Menschliche betrifft, richtig.
Ich bin ein Hacker und ein Sünder.
Diesen emsigen, fleißigen Langer, der immer etwas dröge und humorlos wirkt, erlebte ich in den kurzen Momenten, die mir mit ihm vergönnt waren, stets als ausgesucht höflichen Menschen. Vielleicht ist er nur professionell. Vielleicht ist es aber auch etwas Geistiges; nämlich dass alle Menschen Geschöpfe Gottes sind und ihnen mit Achtung zu begegnen ist, egal, wie das der große Bruder sieht.
Langers Bedeutung für die Golfer weltweit wurde mir zwar schon vor Jahren in England bewusst, wo ihm höchste Achtung zuteil wird. Aber seine golferische und mentale Stärke habe ich vermutlich erst begriffen, als er in der Schlacht amThe Ocean Course, Kiawah Island, S.C. -angeblich - den Ryder Cup vermasselte.
Im letzten Match, auf den letzten drei Bahnen, hatte er trotz dem Gegröle einer tumbem Meute bereits zwei Wahnsinnsputts gelocht und der Dritte wäre reingegangen, wenn der US- Geheimdienst nicht so einen genetisch gesteuerten Regenwurm dazu gebracht hätte, genau an der entscheidenden Stelle unterirdisch zu pupsen.
Mein Gott, was hatte der Mann einen Mut. Und was machte die Presse? Sie sind über ihn hergefallen, wie üblich.
Jetzt hat er einen Orden bekommen und ich freue mich wie ein Schneekönig für ihn.
Immerhin hat mich das Thema dazu gebracht, an diesem kalten, grimmigen Tag in meinem Archiv zu graben.
Ich denke, auf dieses Feuer werde ich noch einiges nachlegen.

Eugen Pletsch

Dazu noch eine nette Geschichte von Sir Peter Ustinov