Der Diminutiv
Gestern lud ich den Text von den „Drei Bekloppten im Nebel“ auf die Cybergolf-Startseite. Wenn ich etwas Längeres schreibe, schicke ich es meist zu Oliver Heuler, der nun mal – im Gegensatz zu mir - Sprachexperte ist. Er monierte das Wort „Cobra-Baffler Hölzchen“.
OH: „Den Diminutiv finde ich hier etwas abgegriffen. Passt nicht zum schönen Rest.“
Ich fragte zurück: „Was ist denn ein Diminutiv?“
Spätestens jetzt wissen Sie, dass mein Hinterwäldlertum keine gepflegtes Understatement ist, sondern echt. Kürzlich gestand ich einem geneigten Leser, der sich angesichts meiner Sprachgewalt wunderte, ob ich wirklich nicht „das mit langem und kurzem s“ unterscheiden könne: Ja, ich bin Legasdenigger!
Ich nutze zwar die Hilfsmittel meines Textbearbeitungsprogramms, aber viele Dinge weiß ich einfach nicht. Und dazu kommt noch, dass ich keine Zeit habe oder zu faul bin, Wörter nachzuschlagen. Zu meiner Zeit gab es noch Hauptwörter, Tu-Wörter und Wie-Wörter.
Ich bin übrigens auch nicht freiwillig Golfautor geworden, sondern habe das alles erst aufzuschreiben begonnen, nachdem ich feststellen musste, dass es eine Menge Fragen von Seiten der Golfanfänger gab, aber keine lustigen Antworten darauf.
Vielleicht eine Erklärung dafür, dass gelernte Redakteure z.B. jene, die gewisse Golfbeilagen betreuen, nicht in der Lage sind, auf eine eMail zu antworten. Vielleicht schrieb ich irgendwo ein das(s?) falsch und damit hat sich der quereingestiegene Barfuss-Golfer seine Rezension verspielt.
Ich komme von der Realschule und Abitur habe ich nur, weil mich 1971 alle Lehrer aus Angst vor dem nächsten Schulstreik verzweifelt durchgewunken haben. Solchen Dünnbrettbohrern kann man keinen Erfolg mit einem BUCH zubilligen, welches wir heute ausnahmsweise nicht weiter erwähnen werden.
Also schrieb Heuler, der die Gnade einer besseren Ausbildung genoss, zurück: „Früher konnten nur die Leute Wörter nachschlagen, die zur Lexikon-besitzenden Klasse gehörten - heute gibt es Wikipedia“, womit er höflich andeuten wollte, dass er sich an dem Begriff Bällchen störte, als auch an meiner Faulheit, den Diminutiv nachzuschlagen.
So lernte ich die „Freie Enzyklopädie“ kennen, die aus mir unerfindlichen Gründen auf Ihrer Startseite unter Aktuelles darauf hinweist, dass „CIA-Agenten das Foltern von Gefangenen durch den US-amerikanischen Geheimdienst“ bestätigen.
Hey, sind das nicht unsere Bündnispartner?
Und: Sind wir nicht in irgendeinem Hilfsabkommen engagiert, worin das irakische Innenministerium beim Neuaufbau eines Polizeidienstes durch deutsche Beamte unterstützt wird? Wenn unsere Leute da ein- und ausgehen: Kann es wirklich sein, dass niemand mitbekommt, wenn hundert Häftlinge im Keller halbtot geprügelt werden?
Ansonsten berichtet Wikipeda ausführlich über Folter, sowie über die aktuelle Diskussion darüber in Deutschland. Da sieht man die Welt doch mit anderen Augen.
Sechs Stunden beim Herrenmittwoch dumm die Beine in den Bauch stehen, war für mich die bisher maximale Vorstellung von Folter.
Jetzt stellen Sie sich mal vor: Sie sind im Ausland, haben Ihren Bus verpasst, weil der weggebombt wurde. Sie werden von dubiosen Warlords aufgegriffen und an den US-Geheimdienst verkauft, weil Rumsfeld die Mindestvorgaben für Gefangenenzahlen zur nächsten Pressekonferenz erhöht hat.
Sie stehen tagelang, ohne Schlaf, in einem grell beleuchteten Raum, in dem man keine Luft bekommt und in dem man zudem noch 24 Stunden mit überlauter Rap-Musik zugedröhnt wird, während ein deutscher Schäferhund zwischen Ihren Oberschenkeln nach Nahrung sucht.
Dann verschwinden Sie für Jahre und werden zum Spielzeug Abartiger, die im Auftrag der CIA kleine, gemütliche Kellerlokale in “Schwellenländern”eingerichtet haben, in denen man ungehindert Dinge an Menschen ausprobieren kann, auf die nicht mal Mengele gekommen wäre.
Bei den bisher veröffentlichen Anschuldigungen dürfte es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um diminutive Beschreibungen der Wirklichkeit handeln. Die wirklich harten Sachen werden wir, wie immer, erst viel später erfahren und natürlich hat es niemand gewusst.
Wenn das Golfspiel bei Ihnen schon zur kompletten Verblödung geführt hat, kann ich es nicht mehr ändern. Aber wenn Sie sich auch fragen, was wir und unsere Bündnispartner da eigentlich so alles treiben, dann bitten Sie Ihren Abgeordneten um eine Anfrage und unterstützen Sie Amnestie International!



