Braucht der Affe Zucker…oder: drei Wege, wie man einstellig wird.

Golf kann so einfach sein. Gestern spielte ein junger Mann in unserem Club 61 Stabelford-Punkte. Das weckte meine Neugier. Ich sprach ihn an und erfuhr, das er schon zwei Turniere zuvor gespielt hätte. In seinem zweiten Turnier spielte er 62 Punkte und rutschte auf Handicap 28. Dann konnte er (wegen Uni) nicht mehr Turniere spielen, stellte aber im Frühjahr „etwas um“, kaufte sich neue Titleist- Eisen, bekam von unserem Pro Kemal noch einen entscheidenden Tipp, was immer das war, und dann spielte er gestern bei seinem 3. Turnier 61 Punkte, (30 Bruttopunkte), also ein Handicap 6, von dem ich Neidhammel seit 20 Jahren träume.
So geht das und in einem Club, in dem man mit 45 Nettopunkten noch keinen Blumentopf gewinnt, wird dann auch eifrig geklatscht. Vielleicht habe ich etwas nicht verstanden, aber zu meiner Zeit in Schottland hätte man sich schon bei 50 Nettopunkten leise in einen Pub verdrückt und einsam seine Scham begossen.

Eine zweite Möglichkeit, einstellig zu spielen, wäre das - zuzusagen virtuelle - Handicap, welches man hätte, wenn man nicht lieber Mountainbike fahren würde. Peter Tschirky, (Handicap 28) in der Golfwelt BUSINESS vorgestellt, gesteht: „Golf ist im Moment nicht meine sportliche Liebe. Ich fahre lieber Mountain Bike. Wenn ich wirklich Golfen würde, läge ich bei Handicap 8.“
Schon klar, Kumpel. Hätte ich nicht mein Hirn, würde ich Handicap 3 spielen.

Die dritte Methode einstellig zu spielen ist, indem man mogelt. Mein Freund Peter, international erfahrener Golfer, wies mich gestern noch mal drauf hin, dass ich endlich mal darüber schreiben sollte, wie viel hierzulande beim Spiel betrogen wird, gerade bei den Single- Handicaps. Ich wollte es nicht glauben, aber unser einstelliger Seniorenmeister beharrt darauf, dass in Deutschland aus Eitelkeit extrem viel beschissen wird. So was gäbe es höchstens noch in Singapur.

Für mich ist ein einstelliges Handicap eine Sache von physischer und mentaler Fitness und da hapert es bei mir. Nicht zuletzt deshalb möchte ich auf die CyberGolf Rubrik GESUNDHEIT hinweisen, in der ich einige interessante Produkte vorstelle, die ich ausprobiert habe.
Ansonsten ist die Frage, ob man dem Affen zuviel Zucker gibt, was mich zu meinem Buchtipp der Woche führt:
Werner Pieper, Das ZUCKER-Buch – ist eine spektakuläre Recherche über „die süße Sucht und ihre bitteren Folgen“.
Vielleicht mal ein Thema für die Jugendwarte, die unser Nachwuchsspieler immer noch mit leeren Kohlehydraten und süßen Süchtigmachern als Drinks auf die Runde schicken, weil es ja kostenlos von den „Sponsoren“ kommt. Auch hier gilt die Devise: Du machst Dich kaputt und der Dealer macht Kasse!
Der von mir schon häufiger zitierte Ethno-Pharmakologe Terence McKenna mein dazu: “Zucker steht für einen Wendepunkt. Zucker und die Koffein-Drogen unterstützen und verstärken die undurchdachte Leistungsbezogenheit unserer industriellen Zivilisation. Auf der Strecke bleiben die archaischen menschlichen Werte.”
Bedeutet das vielleicht, dass Ehrlichkeit beim Golfen mit der Menge des konsumierten Zuckers zusammenhängt?
Das Buch befasst sich ansonsten ausführlich mit der „materialisierten schwarzen Magie“ des weißen Zuckers und den Folgen: Übersäuerung – unser aller Problem, dazu die Umweltschäden, sowie Karies und Diabetes. Ausführlich wird die Kolonial-Geschichte beschrieben, die Zeit der Sklaverei und ihre Auswirkungen, sozusagen ohne Zuckerbrot, aber mit Peitsche.
Das ist jene Zeit, als der Golfsport der Blutspur des Empire rund um die Welt folgte und kleine schwarze Männer so lange Lehm stampfen mussten, bis die „Browns“ fest genug waren, auf denen die Sahib ihre Bälle zum Loch rollen ließen.

Werner Pieper, Das ZUCKER-Buch
ISBN 3-922708-51-X
164 stark illustrierte Seiten im Format 20 x 20 cm
12.50 €